Entwurf FAU Erlangen
taubenrouter   
Entwurf für das Treppenhaus Nord der FAU Erlangen (nicht ausgeführt), 2025

Die Arbeit besteht aus drei Teilen, die im Treppenhaus an den Wandflächen neben den Geschosspodesten platziert sind. Die Motive sind direkt malerisch auf den ungrundierten Sichtbeton aufgetragen. Die Umrisse jeder Arbeit variieren, greifen jedoch auf subtile Weise die Architektur der frei hängenden Podeste und Treppenstufen auf. Die Bildflächen sind durch Raster gegliedert, deren Knotenpunkte von Linien verbunden werden. Das unterliegende Raster ist auch ein Grundprinzip der Wissenschaften: Es ermöglicht Vergleich, Messung, Überprüfung.

Grundlage des gestalterischen Systems bilden rechteckige Module, die auf Faltungen von Papier zurückgehen. Der Ursprung liegt also in einer elementaren Handlung: dem Knicken eines Blatt Papiers. Aus dieser einfachen Operation entwickelt sich ein komplexes Geflecht von Formen und Rhythmen, das sich über die gesamte Wandfläche spannt. Jedes der drei Bilder nimmt mit seiner äußeren Kontur und inneren Ordnung jeweils kompositorische Grundprinzipien auf: Fragment, Symmetrie, Lücke, Verdichtung, Dopplung und Steigerung.

Der ständige Perspektivwechsel ist ein interessantes Phänomen in Treppenhäusern. Jede Arbeit erzeugt durch Überlagerung oder Wiederholung der Linien beim darauf zu- und hinwegbewegen andere Optische Reize, die die vorhandene Situation eines Durchgangsraumes nutzen. Diese Methoden sind bekannt aus der Op-Art. Die Motive sind durch ihre reduzierte Gestaltung schnell aufgefasst, sodass verdeckte Teile der Arbeit durch Rückschlüsse aus bereits Gesehenem ergänzt werden können. Die übermenschliche Größe der Arbeiten erzeugen einen Körperbezug zur Architektur, man kann sich selbst im Werk verorten.

Die Farben sind­ einem typischen Blick aus dem Fenster entnommen: ein Baum und Straßentauben. Der Hintergrund zweier Wandarbeiten ist je in einer anderen Art von „Taubengrau“ gehalten. Dieser wird ergänzt durch violett- und rosafarbene Linien. Diese Farben lassen sich in der Nähe des Taubenkopfes am Federkleid und an den Füßen finden. Das Grün der anderen Arbeit geht auf frisch gewachsene Tannenwipfel zurück, das Braun findet man in den Schuppen der Zapfen.

Wenn wir rational Denken wollen, bemühen wir uns soweit wie möglich zu abstrahieren. Endstationen des Reduzierens sind Linien und Punkte, dort sind Probleme nun auf andere Bereiche übertragbar. Ob ein Geflecht von Linien nun als Wegroute, als elektrischer Schaltplan eines WLAN-Routers oder als Flugweg von einer Brieftaube aufgefasst wird – die Linien verändern sich nicht aufgrund unserer Interpretation. Diese aber bleibt offen.

Elbflorenz
Sign City   
Emulsion paint on mdf, 2025, Hotel Holiday Inn Express, Dresden

In der 9. Etage des Hotel Holiday in Express in Dresden befindet sich neben jedem Hotelzimmer ein farbiges Schild mit dem Namen eines bekannten Dresdner Ortes. Vielleicht hilft es die Zimmer leichter zu finden, zugleich ist es eine Einladung, die Stadt neu zu entdecken. Einige Schilder tragen die Namen beliebter touristischer Ziele wie Residenzschloss, Zwinger oder Semperoper. Andere verweisen auf Orte, die das Stadtbild seit langer oder kürzerer Zeit prägen, aber weniger bekannt sind: Parks, Einkaufspassagen, Kulturorte, Brücken und mehr.

Giovanni Dolfin nannte Dresden bereits um 1570 „Altera Florentina“ (das andere Florenz). Und das lange bevor die barocken Bauten entstanden oder die kurfürstliche beziehungsweise königliche Sammelleidenschaft weltberühmte Kunstschätze nach Dresden brachte.

Doch Dresden ist mehr als sein Beiname „Elb-Florenz“. Die vielschichtige Geschichte der Stadt reicht bis in die Gegenwart. Vertrauen Sie nicht nur Ihrem Reiseführer – werfen Sie auch einen Blick abseits der üblichen Routen.

Wie verändert sich Ihr Blick auf eine Stadt, wenn Sie bekannte Wege verlassen?

Chimäre, TU Dresden
Chimäre   
Kasein-Tempera on Primer, 2023, TU Dresden
with Fanny Slèder, Undrakh Batbold, Dirk Börner and Emma Jelinek

Lücken - Köln
Lücken   
Wandfarbe und Graphit auf Wand, 2023, Internationale Friedensschule Köln